Flachkopf des Monats März 2020

Unser Vorstandsmitglied Walter Schulz kürt seit längerem den „Flachkopf des Monats“ auf seinem Facebook-Account. Ab sofort findet ihr seine Gedanken zum aktuellen Tagesgeschehen auch auf unserer Website. Los geht es in dieser Zeit der Unsicherheit und des Ausnahmezustands mit dem Flachkopf für März 2020:


Aus gegebenem Anlass erscheint diese Preisverleihung vorzeitig. Niemand weiß, wie es den Juroren morgen ergeht. Mithin: „Carpe diem“! Aus demselben Grunde geht der Preis nicht an eine Person oder Institution. Wir vergeben ihn an eine Denke!

Zur interessantesten Entwicklung seit der Verschärfung der Coronapandemie gehört das Aufblühen der Freiheitsbewegung, wenn auch vordringlich im Mantel einer Freizeitbewegung.
Die Sorge um den Verlust bürgerlicher Rechte trieb sogar unseren nordrheinwestfälischen Ministerpräsidenten zu der Feststellung, die Religionsfreiheit sei beschränkt worden. Dem ist selbstverständlich nicht so. Man darf weiterhin rheinischer Katholik, gläubiger Muslim oder bekennender Buddhist sein. Nur die Verhandlung mit den jeweilig Allerhöchsten sollen individuell geführt werden. Das galt eigentlich aber auch bisher schon für alle Gebete, selbst wenn dazu gemeinsam der Helm abgezogen werden musste. Die Klage, wir lebten faktisch in einem rein calvinistischen Land, in dem man nur noch arbeiten und elementare Grundbedürfnisse stillen dürfe, ist insofern unberechtigt. Jeder darf auch weiterhin Pfeife oder sonst was rauchen, Wein oder sonst was trinken, Filmchen oder sonst was schauen. Auch häusliche Ringkämpfe mit Kindern oder PartnerInnen sind nicht verboten.

Selbst die Ausübung demokratischer Mitwirkungsrechte ist nicht untersagt, wenn auch die Versammlungsfreiheit aus Gründen des Fremd- und Selbstschutzes ausgesetzt ist. Es bieten sich alternativ zum Beispiel diverse, durch das Internet laufende Petitionen an. Man darf sich auch weiterhin über die durchaus zahlreich vorhandenen Medien ein Bild der Zustände in der Welt machen und sich Kenntnis darüber verschaffen, in welchen anderen Regionen der Welt COVID-19 verheerend wirkt. Zugleich gibt es weiterhin Berichte über die unhaltbaren Zustände an den Außengrenzen der EU, über Krieg im Irak und Syrien, Heuschreckenkatastrophen in Teilen Afrikas und Erdbeben in Asien. Selbst im Mittelmeer ertrinken weiterhin Menschen. Wer sich also sozial, demokratisch und politisch betätigen will, findet Gelegenheit zuhauf.

Wenig sinnvoll ist allerdings der Ruf nach freier Entfaltung der Persönlichkeit in Party- oder Mannschaftsspielform oder der Schutz von Friseurläden als Ersatz für andere Jugend- und Kaffeeliebhabertreffs. Da ist das Argument der Verhinderung von Ansteckungen, eigener oder fremder, zur Verlangsamung der Epidemie in vollem Umfang nachvollziehbar, wenn man die begrenzte Zahl von Intensivpflege- oder Beatmungsplätzen, von einsetzbarem Personal und verfügbaren Hilfsmitteln in Rechnung stellt. Falls bei Irgendjemand der Gedanke aufkommt, es werde übertrieben, in aller Regel handele es sich um Menschen, die eh aus Alters- oder Erkrankungsgründen auf den Intensivstationen gelandet wären. Nicht ganz, auf den Fluren liegen Opfer aus allen Alters- und Gesellschaftsklassen.

Es hilft auch nicht, zu beklagen, dass in den vergangenen Jahren im Gesundheits- und Pflegewesen Sparorgien veranstaltet worden sind. Wir müssen aktuell mit dem Resultat einigermaßen vernünftig umgehen! Die Einschränkung von Freiheitsrechten bewegt sich an dieser Stelle sicherlich auf dem Niveau der Durchsetzung von Ampeln im Straßenverkehr. Und diese wurden bisher zumindest nicht als demokratiegefährdend eingeschätzt.

Abgesehen davon sollte sich bei dieser Gelegenheit der Chor kritischer Geister erinnern, dass die Sparkonzepte den Beifall der politischen und sozialen Mehrheiten fand. Falls daran Zweifel bestehen, hält die TagesschauApp die Ergebnisse früherer Wahlen vor!

Der Hinweis gilt außerdem, dass sogar Toilettenpapier immer weniger verfügbar ist, wenn es nicht genügend gesunde Anlieferer gibt. Dies geben wir daher vorsorglich unseren Preisgewinnern dazu. Leider allerdings war es nicht in ausreichenden Mengen vorrätig.


Hier geht es zum Original-Post von Walter Schulz bei Facebook:

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